Banking aus der Digitalfabrik

Die persönliche Beratung bleibt in Finanzfragen sehr wichtig. Doch daneben erledigt bereits jeder Dritte der rund 40 Millionen Nutzer von Online-Banking in Deutschland seine täglichen Bankgeschäfte einfach und ­bequem per Smartphone. Mit einer neuen App geht das besonders gut.

474 mal gelesen

>

Start-ups geben Impulse

Die digitale Zukunft ist in der Finanzbranche schon längst zur Gegenwart geworden. Großen Anteil daran haben junge Technologieunternehmen, die sich auf Bankdienstleistungen und -produkte spezialisiert haben. Aus der Ecke dieser sogenannten Fintechs kommen vor allem technische Innovationen, mit denen die Start-ups in Geschäftsfelder der klassischen Banken vordringen. Die Ideen reichen von der Internet-Plattform, die günstige Tagesgeldangebote ausländischer Kreditinstitute an deutsche Privatkunden vermittelt, über mobile Bezahllösungen bis hin zu Programmen für die Verwaltung mehrerer Konten.

Banken drücken aufs Tempo

Angespornt von den Fintechs, drücken die großen Spieler der Branche bei der Digitalisierung des Kundengeschäfts gewaltig aufs Tempo. Bestes Beispiel ist die Deutsche Bank, einer der Premiumpartner der Deutschen Vermögensberatung. Sie ist vor Kurzem in Frankfurt am Main mit einer „Digitalfabrik“ gestartet. Mehr als 400 Softwareentwickler, IT-Spezialisten und Bankexperten arbeiten dort an neuen digitalen Produkten und Dienstleistungen für die Kunden der Bank. Zudem kooperiert das Institut mit externen Fintech-Partnern, die wichtige Impulse für die weitere Digitalisierung des Kerngeschäfts und der Prozesse bringen sollen. Insgesamt profitiert die Digitalfabrik von der Grundlagenarbeit, die in den „Innovation Labs“ der Deutschen Bank  in Berlin, London und Palo Alto geleistet wird. Die Experten analysieren Digita­lisierungstrends und neue Techno­logien. „Mit der Digitalfabrik schaffen wir ein digitales Ökosystem, das Online, Mobile und Filiale zusammenführt. So gehen wir flexibel auf Kundenwünsche ein“, sagte Christian Sewing, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, bei der Vorstellung der Digitalstrategie im April dieses Jahres.

Individuell: Nutzer können die App personalisieren (Foto: iStock.com/milindri)

Bis 2020 will die Deutsche Bank rund 750 Millionen Euro in die Digitalisierung investieren, davon allein 200 Millionen Euro in diesem Jahr. Für die nächsten Monate wurde ein detaillierter Fahrplan entwickelt, der die Einführung zahlreicher digitaler Innovationen vorsieht. Den Anfang machte der Start der neuen Banking-App „Deutsche Bank Mobile“, die sich iPhone-Nutzer seit April im App-Store von Apple herunterladen können. In Kürze wird sie auch für das Betriebssystem Android verfügbar sein. Die App bietet modernes Banking – kombiniert mit einer einfachen und intuitiven Navigation.

„Mit der Digital­fabrik schaffen wir ein digitales Ökosystem, das Online, Mobile und Filiale zusammenführt.“

Christian Sewing, Privatkunden­vorstand der Deutschen Bank

Ergänzung zur Vermögensberatung

Die Entscheidung für eine Banking-App als wesentlicher Baustein der Digitalisierungsstrategie liegt auf der Hand: Smartphones werden für das Banking – als Ergänzung zur Beratung in der Filiale oder durch einen Vermögensberater vor Ort – immer wichtiger. Einer Studie des internationalen Marktforschungsinstituts SNL Financial zufolge wählt schon heute mehr als ein Viertel der Kunden seine Bank nach Qualität und Umfang des digitalen Angebots aus.

Damit dürfte die Deutsche Bank gut aufgestellt sein. Die neue App entspricht höchsten Sicherheitsstandards im Mo­bile Banking. Das beginnt bereits beim Einloggen. Der Fingerprint-Login bietet eine einfache und sichere Art, sich anzumelden. Die App ist zudem übersichtlich aufgebaut, sodass sich der Nutzer in den unterschiedlichen Funktionen leicht zurechtfindet. Die Entwickler haben aber nicht nur Wert auf eine intuitive Bedienung gelegt, sondern auch auf die Möglichkeit individueller Anpassungen. So kann der Anwender die Funktionen nach eigenem Bedarf anordnen. Außerdem lässt sich die App mit einem selbst gewählten Hintergrundbild ganz nach dem eigenen Geschmack gestalten. Für Überweisungen an Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner ist kein lästiges Eingeben der Kontodaten des Empfängers erforderlich – ein Klick auf das Bild der Person genügt, dann den Betrag eintippen, und die Zahlung ist angewiesen.

Eine schnelle Orientierung bietet die Finanzübersicht. Sie zeigt alle Konten, Karten und Depots in einer interaktiven Grafik. Eine nützliche, weil anschauliche Funktion ist zum Beispiel die Kontostand-Zeitreise: Nutzer können sich per Slider-Funktion, also indem sie ihren Finger über den Bildschirm ziehen, die taggenauen Salden der letzten 90 Tage ansehen. Nach einem Klick auf den Umsatz öffnet sich eine Detailansicht mit zusätzlichen Informationen. Und die Depot-Übersicht liefert Informationen zu allen Depots, aufgeteilt nach Anlageklassen, sowie weitere Details zum Portfolio.

Alle Finanzen im Blick

Dabei soll es aber nicht bleiben. Im Laufe der nächsten Monate sind weitere Neuerungen geplant – etwa das kontaktlose Bezahlen in Geschäften auf Basis der NFC-Technologie (siehe Vermögensberater 3/2016). Und schon bald soll der Kunde auch Kontoverbindungen, die er bei anderen Instituten hat, in „Deutsche Bank Mobile“ einbinden können. Die App bietet ihm dann einen unkomplizierten Überblick über seine gesamten Finanzen. Damit entspricht die Deutsche Bank ihrem Ansatz des digitalen Öko­systems, bei dem sie mit erfolgreichen Fintechs kooperiert und dadurch neue Funktionen in kürzerer Zeit in ihre App einbinden kann. So wird aus Zukunft Gegenwart.

 Titelfoto: iStock.com/svetikd

Haben Sie noch keinen Vermögensberater? Finden Sie einen Vermögensberater in Ihrer Nähe.