Altersarmut vorbeugen

Die Menschen werden immer älter. Wer seinen Ruhestand ohne finanzielle Sorgen genießen möchte, darf sich nicht nur auf die gesetzliche Rente verlassen.

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Zahl der armen Alten nimmt zu

Die Rente ist sicher“ – hieß es einst. Kaum ein Satz zum Thema Altersvorsorge hat sich so in die Köpfe der Deutschen gebrannt wie diese Aussage des damaligen Arbeitsministers Norbert Blüm. Doch an der Aussage von 1986 zweifeln viele Bürger heute. Was bringt mir eine sichere Rente, wenn der Betrag nicht zum Leben reicht? Die Wohlfahrtsverbände schlagen Alarm: Die Zahl der armen Alten nimmt dramatisch zu. Noch sind Rentner von Armut weniger stark betroffen als andere Bevölkerungsgruppen. Doch seit 2006 wächst die Zahl der armen Alten dramatisch. Seitdem nahm die Armut bei 65-Jährigen und Älteren um 37,5 Prozent zu, die der Rentner und Pensionäre um sogar 47,5 Prozent. In absoluten Zahlen: Im Jahr 2003 wurde die Altersgrundsicherung eingeführt; damals mussten sie nur 258.000 Menschen in Anspruch nehmen. 2013 waren es bereits 499.000.

Rente auf Grundsicherungsniveau

Das bedeutet, dass fast eine halbe Million Menschen zu wenig Rente beziehen, um mit ihr den Lebensunterhalt bestreiten zu können, und immer mehr alte Menschen mit Renteneintritt in die Armut abrutschen. Der Paritätische Gesamtverband prognostiziert, dass die Altersarmut spätestens ab 2025 noch dramatischer wachsen werde, wenn nicht umgehend politisch gegengesteuert werde. Doch selbst wenn dies geschieht, kann die gesetzliche Rente kaum ausreichend erhöht werden. Die Schlussfolgerung: Private Vorsorge wird wichtiger denn je. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Auch wenn niemand weiß, wie alt er werden wird – Prognosen zeigen, dass die Deutschen immer älter werden. Viele Menschen unterschätzen aber ihre Lebenserwartung und denken nicht daran, ausreichend für das Alter vorzusorgen.

Glücklich im Alter: Rürup- und Riester-Rente sind sinnvolle Ergänzungen zur gesetzlichen Rente (Foto: iStock.com)

Von Steuervorteilen profitieren

Auch für Familien ist es wichtiger denn je, sich rechtzeitig und umfassend mit dem Thema Altersversorgung auseinanderzusetzen. Das belegen Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit: Dessen Experten rechnen nach 35 Jahren Vollzeitarbeit und einem Bruttoverdienst von rund 2500 Euro ab 2030 mit einer gesetzlichen Rente auf Grundsicherungsniveau. Heute wären das etwa 770 Euro – unter Berücksichtigung der Inflationsrate wäre das Geld sogar noch weniger wert. Richtige Vorsorge bedeutet folgerichtig, langfristig den Lebensstandard im Alter abzusichern. Dafür gibt es zahlreiche Optionen, die auch vom Staat gefördert werden.

Rund 16,3 Millionen Deutsche haben sich laut Bundessozialministerium inzwischen für die Riester-Rente  entschieden. Sie bietet über Zulagen und Steuervorteile eine attraktive staatliche Förderung und ist flexibel: Das Geld kann beispielsweise auch für ein Eigenheim verwendet werden. Einschränkung: Selbstständige und Freiberufler profitieren normalerweise nicht von der Riester-Förderung. Für diese Personengruppe gibt es aber andere passgenaue Produkte – insbesondere die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt. Die Förderung erfolgt durch Steuervorteile. Die BasisRente & FLEXPLAN der AachenMünchener ist eine Kombination aus der staatlich geförderten Rürup-Rente und einer zusätzlichen privaten Rentenversicherung. Diese kann individuell wählbar ganz oder teilweise fondsgebunden sein. Das System: Durch die Wiederanlage der Steuerersparnis in eine Rentenversicherung bauen sich Sparer zusätzliches frei verfügbares Kapital auf und gewinnen Flexibilität. Gleichzeitig profitieren sie von einer höheren Gesamtleistung. Für die Anlage steht eine breite Fondspalette zur Verfügung, aus der Kunden je nach Risikoneigung frei wählen können.

Weitere Vorteile: Der Beitrag zur Berufsunfähigkeitsabsicherung innerhalb der BasisRente lässt sich steuerlich geltend machen.

Außerdem ist die BasisRente Hartz-IV-sicher. Während der Ansparphase erfolgt keine Anrechnung auf das Arbeitslosengeld II und keine Verwertung bei Insolvenz.

Um 37,5 Prozent nahm die Armut bei 65-Jährigen und Älteren seit 2006 zu.

Privat vorsorgen

RÜRUP-RENTE

Die staatliche Förderung läuft über die Steuerersparnis: Bei Alleinstehenden erkennt das Finanzamt jährliche Beiträge von bis zu 22.172 Euro an, bei Ehepaaren bis zu 44.344 Euro. Für 2015 lassen sich 80 Prozent der Beiträge als Sonderausgaben absetzen. Bis 2025 steigt der Anteil dann sukzessive auf 100 Prozent. Sparer schließen einen Vorsorgevertrag ab – zum Beispiel in Form einer klassischen oder fondsgebundenen Rentenversicherung oder als Fondssparplan. Der Beitrag ist im Rahmen der Höchstgrenze frei wählbar. Das angesparte Kapital wird dann im Alter als monatliche Rente ausgezahlt.

RIESTER-RENTE

Vor allem für Familien lohnt sich die staatlich geförderte Riester-Rente richtig. Sie ist ein gesetzlich zertifiziertes und staatlich gefördertes Produkt. Daneben genießen Riester-Verträge Vermögensschutz, sind also Hartz-IV-sicher. Gezahlte Beiträge sind daher sicher angelegt. Der Staat überweist eine jährliche Grundzulage von bis zu 154 Euro pro Sparer. Für jedes Kind gibt es eine Zulage von bis zu 300 Euro im Jahr (für vor 2008 geborene Kinder 185 Euro). Berufseinsteiger vor dem 25. Geburtstag erhalten einen einmaligen Bonus von 200 Euro. Die Kinderzulage wird nur einem Elternteil ausgezahlt – normalerweise der Mutter. Voraussetzung: Zahlung eines bestimmten, einkommensabhängigen Eigenbeitrages.

Auch so können Sie vorsorgen

WOHNUNGSBAUPRÄMIE: für die Bildung von Wohneigentum konzipiert. Förderfähig sind Bausparverträge und der Kauf von Anteilen an Wohnungsgenossenschaften.
ARBEITNEHMERSPARZULAGE BEIM BAUSPAREN: für die Bildung von Wohneigentum konzipiert. Insbesondere für Geringverdiener interessant.
ARBEITNEHMERSPARZULAGE BEIM INVESTMENTSPAREN: eher auf den Aufbau eines Kapitalstocks ausgerichtet. Kommt bei Aktienfondssparplänen zur Anwendung.
BETRIEBLICHE ALTERSVORSORGE (bAV): umfasst finanzielle Leistungen, die ein Arbeitgeber den Mitarbeitern etwa zur Altersvorsorge gewährt. Der Arbeitnehmer beauftragt den Arbeitgeber, Teile des Gehalts für eine spätere Betriebsrente zu sparen (Entgeltumwandlung). Verschiedene Varianten, zwei Beispiele:

  • Direktversicherung: Der Arbeitgeber sagt einem Mitarbeiter eine Altersversorgung zu und schließt eine Versicherung für ihn ab. Der Arbeitgeber überweist Beiträge direkt an den Versicherer, dieser überweist Leistungen ab vereinbartem Rentenbeginn an den Arbeitnehmer.
  • Pensionskasse: Der Arbeitgeber sagt dem Beschäftigten eine Altersversorgung zu und schließt mit der Pensionskasse eine Versicherung für Arbeitnehmer ab. Beiträge überweist der Arbeitgeber direkt an die Pensionskasse, sie überweist die Leistungen dem Arbeitnehmer ab vereinbartem Rentenbeginn.

Brennpunkt

Von Dr. Helge Lach, Mitglied des Vorstands der Deutschen Vermögensberatung AG

Die Deutschen leben immer länger. Langfristige Prognosen halten ein Durchschnittsalter von über 90 Jahren für möglich. Aber wie werden die älteren Menschen zukünftig leben? Viele Deutsche aus der Babyboomer-Generation werden als „rüstige Rentner“ in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen. Doch wird nur ein kleiner Teil der zunehmend betagten Bevölkerung das Alter genießen können. Der Anteil derjenigen, die dies aus finanziellen Gründen nicht können, nimmt zu.

Denn wer länger lebt, bezieht auch für einen längeren Zeitraum Rente. Doch die Anzahl der Erwerbstätigen, die das finanzieren müssen, wird drastisch abnehmen. Der Grund: Es werden immer weniger Kinder geboren. Um das Jahr 2030 herum gehen zudem die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern wird sich dadurch dramatisch verschlechtern. Gleichzeitig hat sich über die Jahre die Lebensarbeitszeit ständig verkürzt, was das Loch in der Rentenkasse vergrößert.

Schon heute muss die gesetzliche Rentenversicherung in Milliardenhöhe aus Steuermitteln subventioniert werden. Die Beitragseinnahmen zur Finanzierung der Renten reichen nicht aus – trotz der hohen Beschäftigung. Wer springt ein, wenn bald die Rentnerwelle kommt? Wer springt ein, wenn in den nächsten zwei Jahrzehnten der Wirtschaftsmotor stottert und die Arbeitslosigkeit steigt?

Rentner: Nur ein kleiner Teil wird den Ruhestand genießen können (Foto: dpa)

Vier Senioren gehen am 13.11.2014 auf der Bodenseeinsel Mainau (Baden-Württemberg) gemeinsam spazieren. Foto: Patrick Seeger/dpa

Wahrscheinlich wird im ersten Schritt der Steuerzuschuss erhöht. Das erfolgt geräuschlos, da weder die Beiträge steigen noch Renten gekürzt werden müssen. Aber am Ende trifft auch dies wieder die Erwerbstätigen. Sie sind es, die zusammen mit den Unternehmen die Steuern erarbeiten müssen.

Die Alternative wäre, dass der Staat Kredite aufnimmt, um die Renten zu subventionieren. Damit würde man sich aber nur Zeit erkaufen, schließlich müssen die Kredite mit Zinsen zurückgezahlt werden.

Alternative Lösungsansätze könnten zum Beispiel daran arbeiten, dass junge Menschen wieder gerne Nachwuchs bekommen und Frauen mit Kindern bessere Chancen in der Arbeitswelt haben. Eine intelligente Förderung von Einwanderung kann die Anzahl der Erwerbstätigen ausbauen.

Eine längere Erwerbstätigkeit, etwa durch straffere Ausbildungszeiten und ein höheres Renteneintrittsalter, verkürzt automatisch die Rentenbezugszeit. Unternehmen könnten zudem mehr ältere Menschen über dem 65. und 70. Lebensjahr einstellen, auch auf Teilzeitbasis.

Wer will sich darauf verlassen? „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott“ heißt es bekanntlich. Jeder sollte die Initiative selbst in die Hand nehmen, bevor er sich auf andere verlässt. Entscheidend in Sachen Rente bleibt die private Vorsorge. Damit lässt sich unabhängig von Politik und demografischen Entwicklungen ein finanziell abgesichertes Leben im Alter genießen.

Titelfoto: dpa

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