Finanzratgeber Internet: viele Infos, wenig Durchblick

Wer etwas wissen möchte, sucht heute im Internet nach der Antwort. Das gilt auch für Fragen rund um die privaten Finanzen. Doch bei der Fülle an Informationen ist es schwer, die qualitativ besten zu finden.

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Google gibt Auskunft

Das Internet ist eine wahre Fundgrube. Warum zwickt der Magen, wie repariere ich die Gangschaltung am Fahrrad, was ist ein Forward-Darlehen? Egal, was wir wissen wollen, passende Websites sind dank Suchmaschinen wie Google­ schnell gefunden. Meist ergibt eine Anfrage gleich eine Vielzahl an Treffern. Doch welche Informationen sind verlässlich? Je komplizierter das Thema ist, desto schwerer fällt einem in der Regel auch die Einschätzung des Inhalts. Dies gilt bei medizinischen Sachverhalten genauso wie bei Fragen zur Altersvorsorge oder zum Vermögensaufbau. Nach einer ersten Orientierung sind Suchende meist ziemlich bald am Ende mit ihrem Latein. Doch zum Glück gibt es jemanden, der sich auskennt. So ist die Notwendigkeit, sich Schmerzsymptome und Beschwerden von einem Mediziner erklären zu lassen, unbestritten. Auch in puncto Finanzen zahlt sich der Rat eines Experten aus.

Ganzheitlicher Blick

Denn wie ein guter Arzt in der Anam­nese immer den gesamten Menschen betrachtet, analysiert ein Vermögensberater das finanzielle Anliegen seines Kunden hinsichtlich eines umfassenden Vermögens- und Vorsorgekonzepts. Dafür ist es nötig, die Bedürfnisse des Kunden zu erfragen, seine Ziele und Wünsche zu kennen und diese mit Blick auf die aktuelle Lebenssituation in Zusammenhang zu setzen. Das bedeutet: Jede Finanzfrage hat viele Facetten, die erst in einem persönlichen Gespräch ausgelotet werden können. Eine Recherche im Internet greift da nicht selten zu kurz. Mehr noch: Die Wahrscheinlichkeit, dabei auf unzureichende Informationen zu stoßen, liegt bei mehr als 44 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie von ibi research, einem An-Institut der Universität Regensburg.

Informationen mit Schwächen

Im Auftrag der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) hat ibi ­research für den „Webcheck Finanzfragen“ insgesamt 140 Onlineratgeber-Websites zu Finanz- und Versicherungsthemen ausgewertet. Dafür wurden zunächst deutschlandweit 180 Millionen Google-Suchen im Zeitraum März 2015 bis Februar 2016 unter die Lupe genommen. Der Fokus lag auf Finanz- und Versicherungsfragen aus den Bereichen Familie, Gesundheit, Altersvorsorge, Immobilien, Kfz, Geldanlage/Finanzierung und Beruf. Fast die Hälfte der bewerteten Websites, die auf den Google-­Suchanfragen basieren, erreichte im Test nur die Note „befriedigend“ oder schlechter. Bei den Kriterien Objektivität und Relevanz der Finanzinformationen zeigten sich teils deutliche Schwächen. Zwei von fünf Websites zeigen gute Ergebnisse im Bereich der Objektivität, allerdings kann sich der Ratsuchende im Internet bei mehr als der Hälfte der Websites nicht sicher sein, dass die gebotenen Inhalte ausreichend objektiv sind.
Fast zwei Drittel der Websites schneiden beim Kriterium „Relevanz“ – hier wurden die inhaltliche Tiefe und Vollständigkeit geprüft – sogar nur „befriedigend“ oder schlechter ab. Das macht den Stellenwert persönlicher Beratung deutlich. Das sieht auch Christiane Jonietz von ibi research so: „Das Internet kann zwar für erste Antworten auf spezifische Fragen eine gute Anlaufstelle sein. Doch weisen zu wenige Websites eine ausreichend hohe Qualität auf, als dass der Verbraucher sie unkritisch hinnehmen kann.“
Dies sollte zu denken geben. Denn die Deutschen suchen auch zu komplexen oder folgenreichen Finanzentscheidungen Rat im Internet. Die Frage „Lohnt sich die Investition in Gold/Silber?“ stand im Untersuchungszeitraum an erster Stelle. Es folgen Fragen nach der richtigen Immobilienfinanzierung und Kreditkonditionen. Das eigentlich wichtige Thema Altersvorsorge scheint, gemessen an den Suchanfragen pro Monat, für eine Internetrecherche weniger relevant zu sein.

Persönliche Beratung bleibt wichtig

So grundverschieden die Finanzfragen auch sind: Bei der Einordnung von Informationen zu Vorsorge und Finanzen ist der Vermögensberater ein wichtiger Ansprechpartner. Er verfügt über das Fachwissen und weiß, welche Produkte am besten zur Lebenssituation und zu den Zielen seines Kunden passen.

Regionale Unterschiede

Allerdings gibt es – wie bei allen genannten Themenbereichen – regionale Unterschiede (siehe Grafik). So recherchieren Baden-Württemberger online besonders gern zum Thema Eigenheim. Ihre meistgesuchte Finanzfrage heißt: „Wie kann ich eine Immobilie finanzieren?“.
Hamburger wiederum informieren sich weitaus häufiger zum Thema Altersvorsorge als der deutsche Durchschnittsbürger. Überhaupt: Die Hamburger recherchieren im Schnitt 5,72-mal pro Jahr und Kopf online zu Finanz- und Versicherungsthemen. Damit sind sie die aktivsten Finanzsurfer der Republik. Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern suchen hingegen eher selten im Internet Antworten zu Finanz- und Versicherungsthemen. Im Schnitt stellen sie pro Jahr 1,68 Suchanfragen.

„Das Internet kann für erste Antworten auf spezifische Fragen eine gute Anlaufstelle sein. Doch Verbraucher sollten die Informationen auf den Websites nicht unkritisch hinnehmen.“

Christiane Jonietz, Institut ibi research

Christiane Jonietz, Institut ibi research (Foto: PR)

Titelfoto: Getty Images/Geber86

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